Es geht vor allem um die Frage: Wer hat in unserer Gesellschaft eine Stimme und wer hat keine - und woran liegt das eigentlich?

Interview mit Maike Plath - Leiterin des Heimathafen-Jugendclubs ACTIVE PLAYER NK

Premiere der neuen Produktion am 15.6.2017
DIE MATRIX DER DEMOKRATIE

HH: Das neue Stück ist sehr aktuell. War das so geplant?
Maike Plath: Die aktuellen Geschehnisse wie zB. der Brexit oder natürlich die Wahl von Donald Trump haben uns während der Proben ziemlich überrannt. Aber es hat uns eben auch gezeigt, wie enorm wichtig es ist, sich mit dem Thema Demokratie zu befassen und sie nicht für zu selbstverständlich zu halten. Die Wahl von Donald Trump hat zum Beispiel eine Erschütterung bei den Jugendlichen aus der Gruppe ausgelöst - was natürlich im Stück auch vorkommt.

HH:  Wie haben sich die Jugendlichen dem Thema Demokratie angenähert?
Maike Plath: Die Jugendlichen erarbeiten ja bei uns die Stücke immer selbst. Das heißt auch, dass es eigentlich jedes Mal das Ziel ist, dass die Jugendlichen für das, was sie denken, Verantwortung übernehmen. Und es geht nicht nur darum, was auf die Bühne kommt, sondern auch, Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen.

HH: Also geht es um mehr als die Theaterproduktion?
Maike Plath: Ja, denn die Jugendlichen erhalten ja durch den gemeinsamen Prozess, durch die Auseinandersetzung mit den anderen auch ein Gefühl für Demokratie. Die funktioniert schließlich nur, wenn man sich einbringt.

HH: Wenn man das in der kleinen Gruppe übt, sieht man auch, wie es im Großen funktioniert?
Maike Plath: Oder eben auch nicht funktioniert. Die Jugendlichen sind total sensibilisiert dafür, wo ungerechte Machtverhältnisse herrschen. Es geht vor allem auch um die Frage: Wer hat in unserer Gesellschaft eine Stimme und wer hat keine - und woran liegt das eigentlich?

HH: Inwiefern haben die Jugendlichen ihre eigenen Erfahrungen mit in das Stück eingebracht?
Maike Plath: Wir haben uns alle eigene Gedanken zu dem Thema gemacht, zum Beispiel anhand von Fragen: Wo habe ich Widerstand geleistet? Oder: Was war mein eigener Weg in die Verantwortung? Aber auch: Wie ging es mir am Tag nach der Wahl von Donald Trump? Was habe ich gedacht, was habe ich gefühlt?

HH: Gibt es ein Interesse für Politik unter den Jugendlichen?
Maike Plath: Auf jeden Fall! Und es gibt eben auch eine kritische Auseinandersetzung. Nicht alle in der Gruppe sind damit einverstanden, dass Demokratie so weiter gehen kann wie es jetzt gerade in Deutschland ist. Zum Beispiel bei der Frage: Was haben eigentlich Jugendliche für eine Stimme in unserem Schulsystem? Haben sie überhaupt eine?

HH: Es geht also auch darum, auf Misstände hinzuweisen?
Maike Plath: Ja, Demokratie ist ja auch Trainingssache. Und jeder sollte Mitbestimmung üben dürfen. Wenn man immer nur in die Anpassung gezwungen wird, kann man das nicht lernen. Und eine Grundvorraussetzung für Demokratie ist ja Autonomie und Mündigkeit. Und natürlich auch: Spielt es eine Rolle, ob ich als Mann oder Frau, als jemand mit Migrationshintergrund oder ohne Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft die Stimme erhebe.

 

Maike Plath:
Video Blog „Rede mal ordentlich, Frau Plath“
http:/www.youtube.com/channel/UCL0TauDsfVA_4cEqZ63n09g

Homepage:
http://www.maikeplath.de/blog/

ACT e.V.
http://act-berlin.de/wir/
 

Ein Dankeschön

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